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Tschernoby-Jahrestag

Der 36. Jahrestag der Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl ist durch Putins Angriffsfkrieg auf die Ukraine und die dort andauernden Kampfhandlungen von großer Brisanz. Neben Tschernobyl gibt es in der Ukraine weitere vier AKWs mit insgesamt 15 Reaktorblöcken. Die Atomkatastrophe von 1986 erfolgte in Friedenszeiten - mit fürchterlichen Folgen: die Kontamination mit radioaktiven Stoffen hat sich über ganz Europa ausgebreitet, Lebensmittel und Futtermittel wurden verstrahlt. Tschernobyl steht stellvertretend für enormes menschliches Leid, für generationsübergreifende gesundheitliche Folgen, für ökologische Zerstörung. Tschernobyl hat gezeigt, dass die schädlichen Auswirkungen von Atomkraft grenzüberschreitend sind. Die freigesetzten radioaktiven Stoffe haben Mensch und Umwelt geschädigt, zum Verlust von Heimat und Lebensgrundlagen geführt, zu katastrophalen wirtschaftlichen Folgen. Zu den häufigsten Erkrankungen infolge des Supergaus zählen Krebs- und Nichtkrebserkrankungen und Störungen des Erbgutes.
Die Kriegshandlungen in der Ukraine bergen das Risiko einer weiteren nuklearen Katastrophe. Atomkraftwerke sind komplexe Anlagen - gut geschultes, zuverlässiges Personal und eine funktionierende Infrastruktur sind wichtige Voraussetzungen für ihr Funktionieren. 
Gleich nach Kriegsbeginn kam die verstörende Meldung, dass Tschernobyl von Russland kontrolliert wird, vom 09.03. bis zum 13.03. war Tschernobyl vom Stromnetz abgeschnitten. Um Tschernobyl werden inzwischen erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen - durch die Kämpfe und Truppenbewegungen wird vermehrt radioaktiv belasteter Staub aufgewirbelt. Am AKW Saporischschja kam es zu einem Brand infolge eines Beschusses. 
Es besteht die Gefahr, dass wegen der Kampfhandlungen das Stromnetz lahmgelegt wird, sollte auch das Notstromaggregat ausfallen, kann ein Atomreaktor nicht mehr gekühlt werden. Selbst wenn der Reaktor abgeschaltet würde, könnte er sich durch den Verlust von Kühlwasser so stark erhitzen, dass es zu Explosionen käme - vergleichbar mit Fukushima. Auch von den Abklingbecken, die mit abgebrannten Brennelementen gefüllt sind, geht Gefahr aus.
Leider sind Aggressoren nicht vernünftig - im Gegenteil, die Kriegsführung ist auf maximale Zerstörung angelegt. Putin hat tatsächlich mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht - die Auswirkungen könnten eine globale Katastrophe bedeuten. Die zivile Nutzung der Atomenergie erlaubt eine Querfinanzierung der militärischen Nutzung; beide Nutzungsbereiche sind miteinander verknüpft. 
Aus Sicht des SWAB macht das Kriegsgeschehen in der Ukraine deutlich, dass Atomwaffen zur „Abschreckung“ nicht dienlich sind  - und dass Atomanlagen als potenzielle Kriegsziele verstanden werden müssen. 
Wir fordern Deeskalation, Waffenstillstand und Friedensverhandlungen.  Deutschlands  Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages ist überfällig.
Die Überlegungen und Forderungen nach einer Aussetzung des Atomausstiegs, wie sie von atomfreundlichen PolitikerInnen geäussert werden, finden wir höchst unangemessen und irritierend.

Sammeleinwendung Zwischenlager Lubmin

Liebe Leute vom SWAB,
liebe Interessierte,
bitte unterstützt die Sammeleinwendung des BUND Mecklenburg-Vorpommern durch die eigene Unterschrift bzw. durch das Sammeln von weiteren (Einwendungen können bundesweit erhoben werden!) und sendet die Listen bis spätestens zum 07.04 an eine der angegebenen Adressen:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, Wismarsche Straße 152, 19053 Schwerin oder 
Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wegelystraße 8, 10623 Berlin.Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wegelystraße 8, 10623 Berlin
Es geht in Lubmin um den Neubau des Zwischenlagers für hochradioaktiven Atommüll. Im Vorfeld wird es einen Erörterungstermin geben. Wir hoffen, dass es dabei zu deutlichen Verbesserungen der bisherigen Planungen kommt und dass sich daraus auch - dringend nötige - Verbesserungen für die Bedingungen der Atommüll-Lagerung an den anderen Standorten wie zum Beispiel Grafenrheinfeld ergeben. 
Das bisherige Atommülllager kann nicht entsprechend den Anforderungen für den nuklearen Terrorschutz nachgerüstet werden, deshalb muss in Lubmin eine neue Zwischenlagerhalle für hochradioaktiven Abfall gebaut werden. In Lubmin sollen neue Maßstäbe umgesetzt werden, zum Beispiel sollendie Stahlbeton-Wände im Vergleich zu bestehenden Atommüllhallen mit hochradioaktivem Atommüll deutlich verstärkt werden. Aber wird das ausreichen? Vor dem Hintergrund der Kriegshandlungen in der Ukraine und den Angriffen gegen dortige Atomanlagen sind die Risiken der Atomenergie auch als militärische Angriffsziele erschreckend deutlich in den Focus geraten. Die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle ist zudem immer neuen Terrorgefahren ausgesetzt. Weil es ein Endlager noch lange nicht geben wird, wird der Atommüll viel länger in den Hallen und in den Castor-Behälter bleiben müssen, als bisher vorausgesagt. Das stellt erhebliche Fragen an die Sicherheit und Sicherung der Lagerhallen, der Behälter und der Abfälle in ihrem Inneren. Bis hin zu der Frage, ob die hochradioaktiven Abfälle in den Behältern erneut kritisch werden und explodieren könnten.
Der BUND will im Rahmen des jetzt angelaufenen atomrechtlichen Genehmigungsverfahren mit Betreibern und Behörden über die Sicherheitsprobleme und -risiken der Atommüll-Lagerung und über die Sicherheitsanforderungen bei der Genehmigung eines neuen Atommüll-Zwischenlagersdiskutieren. 
Es geht also nicht nur um Lubmin - es geht auch um die Atommüll-Lagerung in Grafenrheinfeld.
Abschliessend empfehle ich Euch www.umweltFAIRaendern.de von Dirk Seifert als sehr gute Informationsquelle zu Atom-Themen!

Rückbau AKW Grafenrheinfeld/Atomkraft als "nachhaltige Energiequelle"

Aktuelle Stellungnahme des Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) zum Rückbau des AKW Grafenrheinfeld und zur Diskussion um die geplante Einstufung von Atomkraft als „nachhaltige“ Energiequelle (Taxonomie)

Rückbau des AKW Grafenrheinfeld:

Es ist bedauerlich und unverständlich, dass die Rückbau-Massnahmen offensichtlich auch zukünftig ohne umfassende transparente Information und Einbeziehung von Verbänden, BIs und interessierter Öffentlichkeit stattfinden sollen. Bislang wurden die Forderungen zur Einrichtung eines „runden Tisches“ von den Verantwortlichen leider ignoriert. Über die Medien werden Informationshäppchen verteilt - z.B., dass die Kühltürme nicht am Ende des Abbaus eingerissen werden, sondern bereits in wenigen Jahren kontrolliert gesprengt werden sollen. Es erschliesst sich allerdings in keiner Weise, inwiefern ein derartiges Spektakel von Vorteil sein könnte. Möglicherweise gibt es den auch nicht, und das Vorhaben muss als reine Symbolpolitik eingeschätzt werden?

Die oberirdische Zwischenlagerung von Atommüll - hochradioaktiv bzw. schwach- und mittelradioaktiv strahlend - in zwei Atommüll-Lagern auf dem Werksgelände stellt weiterhin ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Von den Lagern gehen Emissionen aus, sie können Ziel terroristischer Angriffe mit verheerenden Auswirkungen auf die gesamte Region werden. Das Lager für hochradioaktiven Atommüll hat eine Betriebsgenehmigung bis 2046, ExpertInnen halten es für ausgeschlossen, dass zu diesem Zeitpunkt ein tiefengeologisches Lager für die dauerhafte Abschirmung der hochgefährlichen Hinterlassenschaften aus dem AKW-Betrieb zur Verfügung stehen wird. Für eine derartige Lagerstätte ist bisher noch nicht einmal ein Standort gefunden worden. Daher wird es auf eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung hinauslaufen - obwohl unklar ist, wie lange die Castorbehälter mitsamt dem Verschlusssystem der Belastung durch das radioaktive Inventar standhalten können. Offen ist auch, ob die Hüllrohre um die abgebrannten Brennstäbe im Inneren der Castorbehälter bei verlängerter Zwischen-Lagerung in einem Zustand wären, der das geplante Öffnen der Transportbehälter und Umpacken in endlagergeeignete Behälter ermöglichen würde.

Das Lager für den beim Rückbau anfallenden schwach- und mittelradioaktiv strahlenden Atommüll wurde 2021 in Betrieb genommen, genehmigt ist zudem die Annahme derartiger Stoffe aus anderen Atomanlagen von Preussen-Elektra. Für diesen Atommüll ist zunächst - frühestens Anfang 2027 - der Transport in das geplante Logistikzentrum (LoK) in Würgassen vorgesehen, um dort in Chargen gepackt und für den Transport und die dauerhafte Einlagerung im stillgelegten Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Niedersachsen bereitgestellt zu werden. Dieses soll ebenfalls 2027 in Betrieb gehen.

Sowohl das LoK als auch Schacht Konrad stehen heftig in der Kritik. Schacht Konrad wurde aus politischen gründen festgelegt. Ein vergleichendes, transparentes standortverfahren mit klaren Sicherheitskriterien hat es nicht gegeben. Nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik wäre Schacht Konrad sicher nicht mehr als Endlagerstätte zu genehmigen. Das geplante Verfahren bedeutet massive Atommülltransporte mit all ihren Gefahren für Mensch und Umwelt.

Das SWAB bezweifelt, dass die angedachte Räumung des hiesigen Lagers tatsächlich 2027 erfolgen kann. Für das SWAB ergibt sich die Forderung nach deutlich mehr Sicherheit und Sicherung in Bezug auf den am Standort Grafenrheinfeld gelagerten Atommüll!

Die skandalöse Praxis der Freimessung / Freigabe von radioaktiv belasteten Materialien, sowie die Einlagerung auf der Deponie Rothmühle bzw. die Verbrennung im GKS ist höchst bedenklich und wird vom Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft abgelehnt. Dies widerspricht dem Minimierungsgebot - Radioaktivität wird unkontrolliert verbreitet.

Der Verweis von Betreibern und Behörden, man achte das 10 Mikrosievert-Konzept, kann nicht beruhigen: es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen radioaktive Strahlung mit Sicherheit nicht schädlich sein kann.


Einstufung von Atomkraft als „nachhaltige“ Energiequelle:

Die EU-Pläne haben sich schon seit Monaten abgezeichnet, am 31.12.2021 hat die EU-Kommission schließlich einen Entwurf zur Taxonomie-Verordnung vorgestellt: Atom- und Gaskraftwerke sollen als nachhaltige Energiequellen eingestuft werden.

Das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft ist entsetzt über das Vorhaben der EU-Kommission.

Denn Atomenergie ist gefährlich, teuer, langsam, störanfällig, schmutzig, ineffektiv! Der Atommüll stellt ein gigantisches, nicht gelöstes Problem dar, die radioaktive Strahlung gefährdet Mensch und Umwelt mit allen Lebewesen. Die zivile Nutzung der Atomenergie ist mit der militärischen Nutzung - d.h. dem Bau von Atomwaffen - verknüpft! All diese Gründe belegen, dass Atomenergie nicht nachhaltig ist. Auch Investitionen in Gaskraftwerke sind nicht nachhaltig.

Die geplante Taxonomie würde fatalerweise die Finanzierung und den Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit den Weg in die Klimaneutralität behindern.

Selbst das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) verurteilt diese Entwicklung: "„Aus fachlicher Sicht ist die Einordnung von Atomkraft als nachhaltige Form der Energieerzeugung nicht haltbar“ „ , so BASE-Präsident Wolfram König. Er nennt Atomenergie „eine Hochrisikotechnologie“, verweist auf das Abfallproblem und "die Gefahr des Missbrauchs von radioaktivem Material für terroristische und kriegerische Zwecke.“ „Kommenden Generationen bürden wir damit erhebliche Lasten auf, die auch mit dem Anspruch der Generationengerechtigkeit nicht in Einklang zu bringen sind.“

Es ist ein bitteres Versäumnis, dass von deutscher Seite im Lauf des Diskussionsprozesses nur wenig Widerspruch gekommen ist.

Wir appellieren nun dringend an alle hiesigen PolitikerInnen: Bitte positionieren Sie Sich deutlich und unverzüglich gegen diese gefährlichen Pläne und fassen Sie in Ihren Parteigremien die entsprechenden Beschlüsse.

Resolutionen gegen geplante Atommüll-Transporte von Würgassen nach Grafenrheinfeld

Laut Medien-Berichten haben sich bereits mehrere Gemeindegremien aus der Umgebung des AKW Grafenrheinfeld in Resolutionen gegen geplante Atommülltransporte vom AKW-Standort Würgassen nach Grafenrheinfeld ausgesprochen. Das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) begrüßt, dass sich die Ratsmitglieder mit den Gefahren und Risiken auseinandersetzen, die von Atommüll ausgehen, und der Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung absoluten Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen einräumen.

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Atommüll aus Würgassen

Im November 2020 wurde bekannt, dass der AKW-Betreiber PreussenElektra die Umlagerung von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll aus dem Betrieb des AKW Würgassen an einen anderen Standort plant  - und dass dafür das Atommülllager BeHa / AZR in Grafenrheinfeld in Frage käme.

Das Schweinfurter Aktionsbündnis (SWAB) gegen Atomkraft (SWAB) hat dieses Vorhaben bereits in einer Pressemitteilung vom 13. November 2020 kritisiert (diese wurde am 14.11.2020 bei in-und-um-schweinfurt veröffentlicht und am 16.11.2020 von BR 24 aufgegriffen), da Atommülltransporte generell vermieden werden müssen: wegen des Unfallrisikos, wegen der Strahlenbelastung. SWAB hatte auch auf die besondere Unsinnigkeit der Planungen hingewiesen: diese radioaktiven Stoffe sollen nach spätestens 10 Jahren wieder zurück transportiert werden, da dann auf dem Gelände des ehemaligen AKW Würgassen ein „Logistikzentrum“ - also eine Art Eingangslager - für das geplante Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll, Schacht Konrad, entstanden sein soll.

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